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Mit zehn Jahren kam sie aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland und versuchte, dieses Land und die Deutschen zu verstehen. Es war so vieles anders als in ihrer russischen Heimat – ein Kulturschock. Vielleicht entschied sie sich deshalb, nach der Schule in einer psychosomatischen Klinik zu arbeiten. Sie wollte die Menschen verstehen, begreifen, um besser mit ihnen zurechtzukommen. Drei Jahre beobachtete sie, wie Neurosen „behandelt“ wurden, Symptome sich verlagerten, unterschiedliche therapeutische Ansätze konkurrierten und Arzt-Patienten-Abhängigkeiten entstanden – „Drehtürpatienten“ nannte man dieses Phänomen. Das war nicht die Lösung für sie, diese Welt wurde ihr zu klein und zu kleinlich.

Inga Helfrich ist der Überzeugung, dass der Mensch mehr ist als nur die Summe seiner Symptome. Und sie entschied sich, Theaterwissenschaft zu studieren. Vielleicht könnte man im Theater einen Neurosengarten pflegen, vielleicht sind dort die Wunden und Störungen eine Bereicherung – das echte lebendige Leben? Sie sagt: „Dass Literatur heilen und kathartische Momente schaffen kann, davon bin ich bis jetzt überzeugt.“ 

 

Zum Projekt:

Mein erster Gedanke zu in between war: Im Grunde befinden wir uns doch alle gerade auf der Intensivstation. Wir wissen nicht, ob unser Wirtschaftskonzept und unser politisches System überleben werden, welche Zukunft wir unseren Nachkommen hinterlassen. Wir haben uns mit Konsum sediert, schauen auf unser Display und haben die Orientierung verloren. Das ist natürlich alles zu groß, zu allgemein, zu bekannt … und wie kommt die Intensivstation da wieder rein?

Also werde ich konkreter, direkter – immer vom Kleinen zum Großen und wieder zurück, bitte!

Ich schau mir die Intensivstation mal genauer an. Was höre ich da, welche Bilder tauchen auf, wie und was wird da gesprochen. Welcher Parallelwelt begegne ich da?

Und was gibt es denn dazu in der Literatur, welche Worte finden die Schriftsteller für den kritischen Moment zwischen Leben und Tod–  diesen Schwebezustand. Passt das zusammen?

Warum werden eigentlich Ärzte Schriftsteller, wie mein Lieblingsdramatiker Anton Tschechow. Warum werden Schauspieler dann doch lieber Ärzte?

Viele Darstellungen von Leid und Schmerz in Theater, Film und Fernsehen zeigen ein Klischee dieses Gefühls, eine abgenutzte Vorlage. Und so entstand in den letzten Jahren eine immer größere Sehnsucht nach Authentizität!

Meine Arbeit als Schauspielcoach bei Film und Fernsehen besteht darin, Emotionen der Darsteller so zu erarbeiten, dass sie konkret werden und den Zuschauer berühren – nicht den Darsteller selber.

Für mich gilt, Sprache und Ausdruck nicht im Allgemeinen zu belassen, sie direkt und unmittelbar zu zeigen, real werden zu lassen und dabei das große Ganze nicht zu verlieren. Eine Form von Durchlässigkeit in Sprache und Gestik zu finden, in der Platz für das Gegenüber ist, Freiheit im Ausdruck –  und dass sich jede Emotion individuell und unmittelbar zeigt.