Stefan Dreher sw200

Nach seiner Ausbildung an der Folkwang-Hochschule in Essen arbeitete Stefan Dreher als Tänzer und Choreograf vor allem in Belgien, u.a. mit Pierre Droulers und Thomas Hauert. In der Spielzeit 2006/ 2007 war er artiste associé der Hallen von Schaerbeek (Brüssel) und 2008 Artist in Residence beim Choreographischen Zentrum Charleroi/Danses (Belgien). Ging es ihm in seinen früheren Stücken um den Publikumsbezug des Tänzers (u.a.: „yoyo“ über die Stille vor der Umkehr / 2002, „Station to Station, Loving Lucy“ über die Unmöglichkeit Tanzen zu lernen / 2003/04, „Angie“, eine instant Comedy in Episoden / 2005/06, „island“ über die Perfekte Bewegung (2007) und „A video for YouTube“ mit Hans Theys, Aufführungen vom Publikum gefilmt / 2007), so beschäftigt er sich in den letzten Jahren immer mehr mit einem abstrakten Tanzvokabular sowie der Frage nach den Bedingungen und Möglichkeiten der verschiedenen Formen von Tanzmarathons. Einen wichtigen Einfluss auf seine Arbeit hat die Yoga-Praxis. Der Wahlmünchner entwickelte ein Trainingsprogramm, das Yoga und Tanz miteinander verbindet. 2003 gründete er das interdisziplinär arbeitende Kollektiv LOVING LUCY, mit dem er international auf Tour geht. Stefan Dreher kreierte bislang rund 15 Bühnenstücke und Site-spezifische Arbeiten.

 

Zum Projekt:

Das Eine, Unfassbare zwischen zwei Tänzern ist das MA*, die Leere. Es ist das in between, das sich bewegt und trotzdem unfassbar bleibt. Die ganze Kunst des Tanzes liegt darin, das zu bemerken und wie ein Schlafwandler zu tanzen.

Die Intensivstation ist ein eigenartiger Ort des Schlafes. Vielleicht gelingt eines Tages – mit einer futuristischen Technik – der Blick in diesen Schlaf. Heute reicht es vielleicht, die Poesie einer Intensivstation wahrzunehmen und sein MA zu tanzen. Wie der Maler Georges Braques in seinen Aufzeichnungen Der Tag und die Nacht erahnt: "Die Wirklichkeit offenbart sich nur, wenn sie vom Strahl der Poesie erhellt wird. Alles um uns ist Schlaf."

(*MA ist ein japanisches Wort und eine Idee für den Zwischenraum, die Leere zwischen den Dingen.)